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Zwischen Zweifel und Triumph: Ein erfolgreiches Wochenende für den OTB!

  • T.S.
  • vor 18 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Am vergangenen Wochenende fanden Wettkämpfe an zwei altbekannten Orten statt: die jährliche Hallenlandesmeisterschaft in Hannover für die Altersklassen U18 und Erwachsene sowie das Erfurt Indoor am Freitag mit der anschließenden Hochschulmeisterschaft in der thüringischen Landeshauptstadt.


Zwischen Zweifel und Wachstumschance: Zwei Tage in Erfurt

In Erfurt ist Jonas Kulgemeyer an beiden Tagen angetreten und konnte viele neue Erfahrungen sammeln – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Nichtsdestotrotz ist sich Jonas sicher, dass auch diese negativen Erfahrungen dazugehören und ihm in seiner Weiterentwicklung enorm helfen werden. Betrachtet man es aus seiner Perspektive, waren es am Ende wertvolle Erfahrungen, die er für sich mitnehmen konnte. Wie es dazu kam und in welchen Disziplinen er antrat, erfahrt ihr im folgenden Abschnitt.



Jonas Kulgemeyer (zweiter von rechts) vor dem Start im Hauptprogramm beim Erfurt Indoor im A-Lauf der 1500m

Es ist Freitag, der 13. Februar. Wer abergläubisch ist, hätte seiner schwarzen Katze wahrscheinlich ein goldenes Glöckchen um den Hals gehängt, um vor jeder Gefahr gewappnet zu sein. Ungewappnet für seine 1500 m fühlte sich hingegen Jonas, der zum ersten Mal in seiner Karriere von starken mentalen Problemen vor einem Rennen berichtete.


Jonas war im Hauptprogramm des Erfurt Indoor im A-Lauf der 1500 m gelandet, wo er sich mit Athleten messen musste, die Bestleistungen jenseits der 3:40 min vorweisen konnten. Mit einer Bestzeit von 3:53 min war er mehr als zwei Sekunden langsamer als der nächstplatzierte Läufer im Feld. Entsprechend groß war der Druck in der ausverkauften Halle.


Seine Strategie war klar: zunächst hinten einordnen und schauen, was möglich ist. Wie erwartet wurde von Beginn an ein hohes Tempo angeschlagen. Schnell zog sich das Feld auseinander, die Läufer reihten sich hintereinander ein. Spätestens zur Rennhälfte entstanden größere Lücken, und auch Jonas musste als Schlusslicht abreißen lassen.


Die Runden fühlten sich für ihn in diesem Moment endlos an, während der Abstand zur Konkurrenz immer größer wurde. Letztendlich kam Jonas mit 3:53,90 min ins Ziel, sechs Sekunden hinter dem Vorletzten. Zwar im Bereich seiner Bestleistung, doch der Abstand von mehr als 14 Sekunden zum Sieger und das abgeschlagene Finish machten ihm wenig Freude.


Kann Jonas diese Erfahrung über 3000 m bei den Hochschulmeisterschaften am nächsten Tag nutzen? Oder versinkt er in Selbstzweifeln? Die Antwort folgte eindrucksvoll.


Vom Tiefpunkt zum Flow-Zustand!

Um 17:20Uhr, gut 22 Stunden nach seinem enttäuschenden 1500m Lauf, stand Jonas wieder mit einem zehnköpfigen Feld an der Startlinie, wo er mit seiner Bestleistung von 8:19min aus Dezember 2024 auf Platz 5 der Meldeliste einzuordnen ist. Der Rest vom Starterfeld ist eher weit abgeschlagen und wahrscheinlich werden die Top-5-Athleten den Hochschulmeistertitel unter sich ausmachen.


Die Ausgangslage ist klar, Jonas ist im Mittelfeld und kann sich einfach an den vorderen Plätzen orientieren und braucht sich dabei nicht verstecken. Mit dabei auch ein gut bekannter Konkurrent von der LG Osnabrück, Linus Vennemann. Nach dem Startschuss setzte sich das vordere Feld schnell vom Rest des Feldes ab, für Jonas die optimale Situation, der sich mit den weiteren vier Konkurrenten richtig wohl fühlte. Im Laufe des Rennens deutet es sich an, dass es zu einem richtig spannenden und vor allem schnellen Rennen kommen wird. Auch Jonas gab zu, dass sich alle fünf Athleten wortwörtlich im Flow-Zustand befanden.



Jonas Kulgemeyer wird Dritter bei den Hochschulmeisterschaften in Erfurt über 3000m und läuft die A-Norm für die Deutschen Meisterschaften

So entstand für Jonas das perfekte Rennen mit einem dramatischen Schlussspurt, wo der Abstand von Platz 1 bis 4 weniger als eine HALBE Sekunde betrug. Jonas konnte sich behaupten und wurde Dritter bei seinen ersten Hochschulmeisterschaften in einer Zeit von 8:09,30min. Lediglich Jakob Dieterich (8:09,00min) und Linus Vennemann (8:09,23min) konnten sich hauchdünn vor Jonas platzieren. Auch Platz 4 folgte mit einer Zeit von 8:09,49min. Trotz der umkämpften Platzierungen übertrumpfte bei allen ein enorm erfülltes Gefühl. Eine deutliche Bestleistung bei allen vier Läufern und die A-Norm für die Deutschen Meisterschaften (8:13min) wurde deutlich unterboten. Auch Jonas konnte seine Bestleistung und Vereinsrekord um mehr als zehn Sekunden verbessern und konnte, trotz der Niederlage ein Tag zuvor, wieder enormes Selbstvertrauen für die Deutschen Meisterschaften sammeln.


Herzlichen Glückwunsch von dieser Seite zu dieser mentalen und auch sportlichen Leistung!


Drei Podestplätze für die Weitspringer bei den Landesmeisterschaften!

Auch bei den Landesmeisterschaften gab es Grund zur Freude, denn in drei von vier Weitsprungwettbewerben, waren Weitspringer vom OTB Osnabrück vertreten. Lediglich in der MJU18 konnten wir keinen Teilnehmer stellen. Mit der Tatsache, dass alle drei Teilnehmer ein Podestplatz in ihrer Altersklasse erreichen, war nicht zu rechnen.


Carla Meyer auf Platz 3 im Weitsprung der weiblichen Jugend U18 als W15 Athletin

Es fing an mit Carla Meyer, die noch in der Altersklasse der W15 ist und bereits in der WJU18, wo die Konkurrentinnen teilweise zwei Jahre älter sind, einen Podestplatz erreichen konnte. Nach einem soliden Start von 5,43m nach den ersten drei Versuchen und Platz 2, wurde sie im fünften Versuch von der Drittplatzierten Fiona Antonia Lucya (TV 87 Stadtoldendorf), die in dem Moment auf Platz 1 sprang, auf Platz 3 verdrängt. Doch Carla wollte dies nicht auf sich sitzen lassen und sprang direkt danach auch im fünften Versuch mit 5,65m zur neuen persönlichen Bestleistung und Platz 2. Somit war die Erstplatzierte Tamina Heller (TV Langen) innerhalb von einem Versuch auf Platz 3 zurückgefallen. Doch die Athletin des TV Langen hatte dem letzten Sprung im gesamten Wettbewerb das letzte Wort und sprang mit 5,79m zur erneuten Führung und zum Landesmeistertitel. Carla zufrieden mit Platz 3, aber dann doch irgendwie nicht, weil sie wusste, dass die letzten Schritte nicht so gut waren wie im Training. Carla, wir sind trotzdem stolz auf dich! Wenn du weiterhin so akribisch arbeitest und trainierst, werden sich noch viele Türen für dich öffnen!


Tom Spierenburg auf Platz 2 beim Weitsprung der Männer bei den Landesmeisterschaften

Für einen Vize-Landesmeistertitel konnte Tom Spierenburg im Weitsprung der Männer sorgen. Doch ähnlich wie bei Jonas fing der Wettkampf alles andere als optimal an! Orientierungslosigkeit und Unsicherheit beim Anlauf, was drei ungültige Versuche zur Halbzeit zur Folge hatte. Bei einem Teilnehmerfeld von über acht Personen würden diese drei ungültigen Versuche bereits das Aus bedeuten. In diesem Fall war das Teilnehmerfeld mit sieben Teilnehmerfeld so gering, dass jeder Athlet automatisch sechs Versuche hat, zum Glück für Tom. In der zweiten Hälfte wendete sich das Blatt ein wenig und Tom konnte im vierten Versuch trotz eines suboptimalen Versuchs auf 6,52m und Platz 2 springen. Im allerletzten Versuch hat sich Tom nochmal zusammengerissen und sprang zwischenzeitlich zur Führung mit 6,65m. Es war der erste Versuch, wo der Anlauf halbwegs in Ordnung war. Doch Dauer-Konkurrent Jonas Buchberger (DSC Oldenburg) erinnerte sich an die vergangenen Landesmeisterschaften in Lingen, wo Tom auch im letzten Versuch auf 6,92m sprang und Platz 2 sprang und Jonas auf Platz 3 verdrängte. Diesmal ließ er das nicht mit sich machen und sprang nochmal auf 6,70m und gewann wie in der WJU18 den Weitsprung mit dem weitverbreiteten letzten Versuch.



Julia Schlotmann auf Platz 2 im Weitsprung der Frauen bei den Landesmeisterschaften

Die dritte Podestplatzierung im Weitsprung ging an Julia Schlotmann, die bei den Frauen ebenfalls Vize-Landesmeisterin werden konnte und es seinem Trainingskollegen Tom Spierenburg nachmachte. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass Julia nach mehreren Jahren, die von Verletzungen und Rückschlägen geprägt waren, wieder zur alten Stärke zurückfinden konnte. Der Wettkampf fing für Julia mit 4,95m solide an, jedoch konnte sie in darauffolgenden Sprüngen sich nicht verbessern und musste zwischenzeitlich um die Teilnahme des Endkampfes bangen. Doch zu ihrem Glück konnte sie als achtplatzierte sich gerade noch qualifizieren und hatte weitere drei Versuche, die sie für sich nutzen wollte. Gesagt getan, sprang Julia in den Versuchen fünf und sechs nochmal zu 5,41m und 5,37m, was Platz 2 und der Vize-Landesmeistertitel bedeutete! Herzlichen Glückwunsch Julia zu dieser Leistung und zu der Tatsache, dass du all diese holprigen Wege gegangen bist und durchgehalten hast!


Vom Fußballer zum 4-Minuten-Läufer

Für weitere Meilensteine konnte insbesondere Joey Trennhaus über die 1500m sorgen. Der Athlet vom OTB fing erst vor einem Jahr mit dem Laufsport an, nachdem Verletzungen ihm zum Karriereende im Fußball zwangen. Doch nach nur einem Jahr präsentierte er sich laufstark und lief vor einem Monat in Dortmund zu 4:06min über 1500m nach einem sehr defensiven Start, wo er sich ganz hinten einreihte und offensichtlich sich sehr zurückgehalten hat. Denn auf den letzten 400m zog er an alle Konkurrenten mit einem langen Spurt vorbei und lief seine neue Bestzeit von 4:06min.


Dass es schneller als diese Zeit geht, wusste auch Joey, der seine ersten Hallen-Landesmeisterschaften absolvierte. Im Starterfeld waren bereits erfahrene Läufer, die Bestzeiten von 3:50min oder schneller vorzuweisen hatten. Demzufolge war die Strategie für Joey klar: So weit es geht dranhängen und schauen, wie viel im Tank in den letzten Runden übrig ist. Der Rennverlauf war eindeutig und es wurde Tempo von den laufstärkeren Athleten gemacht, sodass sich Joey als Sechster an die Führungsgruppe hängen konnte. Der Rest des Teilnehmerfeldes war bereits abgeschlagen. Die ersten Runden verliefen gut und Joey konnte locker mitgehen.


In Runde 5 oder 6 der 200m-langen Rundbahn bildete sich langsam eine Lücke zum Führungsquartett. Es sah so aus, als könnte Joey an den fünftplatzierten Läufer vorbeigehen und wieder Anschluss finden, da er den besseren Schritt zu dem Zeitpunkt hatte. Doch er entschied sich dagegen und blieb dahinter. Sein Bauchgefühl stellte sich als richtig heraus, denn in den letzten zwei Runden konnte sein Vordermann nochmal zulegen und hatte seine zwischenzeitliche Schwächephase überwunden. Joey gab zu, dass die letzten zwei Runden noch nie so anstrengend gewesen seien und der Tank komplett leer war.


Er belohnte sich mit einer Zeit von 4:00,10min und eine Verbesserung seiner Bestzeit um sechs Sekunden, sodass er der B-Norm für die Deutschen Meisterschaften 3:56min nun näher ist als seiner alten Bestzeit von 4:06min. Mach weiter so, Joey! Dann belohnst du dich im Sommer mit der B-Norm!


Ein Team im Aufwind!


Neben den Podestplätzen sammelte das 16-köpfige Team des OTB Osnabrück zahlreiche wertvolle Erfahrungen bei den Landesmeisterschaften. Besonders erfreulich: Nach mehreren Jahren gab es wieder Staffeln in der MJU18 und WJU18 vorzuweisen. Zudem erreichten sechs Athleten das Halbfinale über 60 m, darunter Lennard Buitkamp (7,85 s), Viviane Seegert (8,31 s), Tom Spierenburg (7,20 s), Vanessa Trüggelmann (8,09 s) und Julia Schlotmann (8,36 s).


Die Athletinnen, Athleten und Trainer blicken nun mit vielen neuen Erkenntnissen positiv auf die Sommersaison und nutzen die bevorstehende Wettkampfpause, um gezielt an ihren Verbesserungsbereichen zu arbeiten.

 

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